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Mein berufliches Erfolgsrezept? Scheitern


Oh, Kommunikation. Es gibt kaum einen Bereich, für den ich mehr bewundert werde. Authentisch, humorvoll, pfiffig: Valerie Tabea Schult scheint doch nichts aus der Bahn zu werfen. Kein Gefühl, das sie nicht präzise ausdrücken könnte, keine Rede, die nicht die Herzen entzündet. Schlagfertigkeit ist meine zweite Haut. Wie eine Schlange die sich häutet, kann ich in jeder Situation eine Haut abwerfen und ein passendes Argument finden. Mein Haupteinkommen generiere ich dementpsrechend aus der Strategieberatung für Kommunikation.


Doch hinter unseren größten Talenten lauern auch unsere größten Gefahren. Ein weiblicher Nerd, die nächtelang programmiert, hat das Potential mit ihren technischen Fähigkeiten ein rechtsextremes Nachrichtenportal lahmzulegen. Zack. Damit kann sie Hetzer:innen von der gegenseitigen Vernetzung abhalten und für mehr Frieden sorgen. Aber sie kann sich auch mit ihrem technischen Talent in die IT-Infrastruktur der lokalen Wasserversorgung hacken. Und die Versorgung unterbrechen. Für dich und für mich.


Eine leidenschaftliche Demeter-Bäuerin kann mit ihrer Familie im Einklang mit der Natur leben. Mit den Bäumen und Pflanzen reden. Oder sich bis zur Erschöpfung auf ihren Feldern im Schwarzwald verausgaben, immer auf der Suche nach den produktivsten Erträgen, den besten Fruchtfolgen. Man kann zu Grunde gehen an dem, was man den anderen voraus hat. Es ist, als ob ein Vorteil immer auch einen Nachteil mit sich zieht und andersherum.


Mein größtes Talente führt auch zur größten Zerstörung. Wenn ich wütend bin, kann meine Rhetorik präzise vernichten, meine Worte können als Pfeil und Bogen mit zwei Feuerbällen wirken. Doch wenn ich liebe, dann können meine Worte Berge versetzen und Wolken voller Mitgefühl dahinter enthüllen. Meine Stärke und meine Schwäche sie gehören zusammen wie zwei Seiten einer Münze. Man kann und wird sie nie voneinander trennen.


Meine Stärke ist meine größte Achillesferse. Heute verdiene ich Geld mit meinem größten Talent nur, weil ich so oft etwas kaputt gemacht habe. Und wieder aufgebaut habe. Weil ich die die Scherben meiner rhetorischen Pfeile aufgesammelt habe. Und sie analysiert habe. Jede einzelne Scherbe traurig angesehen habe. Weil ich mit Menschen geredet habe, die an mir zerbrochen sind. Als Archäologin meiner beruflichen Biographie habe ich seziert, warum ich Menschen verletzt habe. Und ich bin immer noch dabei.


Heute versuche ich zurückzutreten und mir meines Gefühls bewusst zu werden, aus dem ich zu vielen spreche. Bevor meine Worte herausgeschossen werden. Wenn ich als Führungskraft spreche, versuche ich meine Sätze so zu formulieren, dass sie Harmonie herstellen. Nicht spalten. Ich weiß, in mir steckt eine begnadete Populistin und ein friedvoller Gandhi. Wie jede:r eine schwarz und weiß in sich trägt, so auch ich. Und jede:r einzelne Tag ist eine Entscheidung, ob ich mein fachliches Talent als Stärke oder als Schwäche einsetze.


Und doch: die archäologische Analyse des Scheiterns ist heute das Kapital meiner beruflichen Tätigkeit als Kommunikationsberaterin.



Du spürst hier einen Widerspruch? Du bist Unternehmer:in? Schreibe gerne deinen eigenen Blogbeitrag für Conscious Consulting und berichte über deine Erfahrungen.







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